23.02.2015

Randnotizen Februar 2015 von Philippe Brühlmann


Liebe Einwohnerin, lieber Einwohner

Nachdem die einen dem Pulverschnee frönten und die Seele in den alpinen Gebieten der Schweiz baumeln liessen, haben die andern in der Heimat doch das eine oder andere Süppchen gekocht - nicht im Sinne einer Mahlzeit, eher im Sinne einer politischen Rezeptur.

Aber nochmals zurück zum diesjährigen Schneeerlebnis. Ich hatte Gelegenheit, wie könnte es anders sein, ein paar entspannte Tage im wunderschönen Val Müstair zu verbringen. Wie Sie bereits lesen konnten, haben unsere Gemeinden trotz komplett verschiedener geologischer Gegebenheiten sehr viele Gemeinsamkeiten. Es fällt auf, dass die Grenznähe, wie wir sie kennen, für beide die genau gleichen Herausforderungen bringt, seit die Euroanbindung aufgehoben wurde. Es zeichnen sich leere Tankstellen und Probleme im Detailhandel ab. Noch offensichtlicher war es auf der Piste im kleinen, aber sehr sympathischen Skigebiet. Musste man früher 5 Minuten am Lift anstehen, so gab es dieses Jahr höchsten eine Minute „Anstehzeit“, das Bergrestaurant hatte weniger Stress beim Herausgeben der Mittagessen und in der berühmten „Aunta“-Bar mit herrlichem Blick auf den Piz Daint und das gewaltige Ortlermassiv hatte es immer ein Plätzchen an der Sonne für eine kleine Pause mit Punsch (alkoholfrei, natürlich!).
Auf der einen Seite eine herrliche Oase für die Erholung, auf der anderen Seite gerade für ein Tal, welches doch etwas abgeschnitten ist hinter dem Ofenpass, eine Konfrontation mit noch grösseren Herausforderungen.

Die in dieser Zeit gekochten Süppchen wurden von einer Suppe im ganz grossen Topf überragt. Letzte Woche wurde seitens der Regierung über die Umsetzung des revidierten Raumplanungsgesetzes an die Gemeinden informiert. Sie haben dies sicher mit Interesse in der Tagespresse verfolgt. Dabei stellte sich nun definitiv heraus, dass wir, gerade jetzt in der Abschlussphase unserer Bau- und Nutzungsordnungsrevision, mit einer komplett neuen Windrichtung zu kämpfen haben. Man muss jedoch klar sehen, dass nur schon aus Verfahrensgründen an der jetzigen Version unserer Revision festgehalten wird und somit auch die Abstimmung am 12. April über die Zonenpläne nicht behindert wird.
Aber die ersten Emotionen sind in der Diskussion natürlich schon ans Tageslicht gekommen. Gerade die Wachstumsmöglichkeit der meisten Gemeinden ist ein grosses Thema. Nach ersten Aussagen wäre sogar die Idee der Regierung, dass die Kommunen, sprich die Gemeinderäte, die Auszonungen vornehmen müssten. Gerade dies trifft verständlicherweise auf Widerstand, sehen sich die Exekutivmitglieder der Gemeinden als Beauftragte FÜR die eigene Bevölkerung und sicher nicht als enteignende moderne Raubritter. Ebenfalls der Eingriff in die Gemeindeautonomie wird sehr kritisch beurteilt.
Weiter wurde informiert, dass die Entschädigungen an die betroffenen Landbesitzer via Mehrwertabschöpfungsgeldern ausbezahlt werden sollen. Nun, wie sieht da die Rechnung aus, darf man sich fragen. Wie soll man entschädigen, wenn die Mehrwertabschöpfung bei so vielen rot bezeichneten Gemeinden mit über 5% zu viel Bauzonen, die zuerst mal auszonen sollen, gar nicht stattfinden kann. Ebenfalls fragt man sich, wie die Datenbank des Bundes gefüttert wurde und wo diese riesigen Flächen von 48ha zu viel Bauzonen im Kanton sein sollen.
Somit wird sicher viel Gesprächsstoff vorhanden sein und wir hoffen, dass die angekündigten Einzelgespräche mit den Gemeinden etwas Licht in die Angelegenheit bringen. Ich muss gestehen, dass die Regierung um diesen Umsetzungsauftrag nicht zu beneiden ist, erntet man dabei nicht wirklich Lorbeeren.
Vielleicht zum Schluss und als Idee ein nicht ganz ernst gemeinter Gedanke, aber trotzdem als kleiner Stupf: Der Kanton Wallis gehört bekannterweise auch zu den 4 Kantonen mit zu vielen Bauzonenflächen. Glauben Sie, liebe Leserin und lieber Leser, dass Herr Cina auch nur einen Quadratmeter auszonen wird? Ich (noch)nicht….

Noch ein paar Worte zum Alterswohnheim: Am 9. Februar sind die ersten Bewohner ins Pflegezentrum nach Schaffhausen umgezogen. Dank der sehr guten Vorbereitung des Alterswohnheimpersonals ging dieses anspruchsvolle Unterfangen sehr gut über die Bühne. An dieser Stelle möchte ich allen Beteiligten im Namen des Gemeinderates meinen grossen Dank aussprechen. Die weiteren Schritte sind der Spatenstich am 9. März und der geplante offizielle Baubeginn am 16. März. Die Bauabschnitte, welche in 3 Teilen stattfinden, dauern voraussichtlich bis im April 2018. Somit wird für alle Betroffenen, Bewohner, Personal sowie Angehörige, eine anspruchsvolle Zeit beginnen. Trotz akribisch genauer Planung werden unangenehme Gegebenheiten nicht zu vermeiden sein. Jetzt, wo wir unmittelbar vor dem Baubeginn stehen, hofft der Gemeinderat auf das entsprechende Verständnis. Aber wir packen es an und ich bin überzeugt, in etwas mehr als 3 Jahren ein Generationenwerk an die Bevölkerung übergeben zu dürfen, welches uns Freude bereiten wird.

Liebe Leserin und lieber Leser, nachdem die Fasnacht nun schon wieder vorbei ist und sie hoffentlich eine vergnügte närrische Zeit verbringen konnten, wünsche ich Ihnen allen alles Gute! Bis bald…


Ihr Philippe Brühlmann
Gemeindepräsident Thayngen
 


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