26.02.2019

Randnotizen Februar 2019 von Philippe Brühlmann

 
Liebe Leserin, lieber Leser
Sie sind es sich ja langsam gewohnt, dass ich fast jedes Jahr im Februar von meinem Lieblingsferien­ort schreibe und von den schönen Landschaften des Val Müstair schwärme; tiefverschneite Hänge, zum Teil unberührte Natur am Rande des Nationalparks, wenig Leute, kleines ruhiges Skigebiet, viele nette und gastfreundliche Menschen… Anders gesagt: Entspannung pur!
Nun, ich werde dieses Mal keinen weiteren Werbeblock machen. Ich kann nur jenen sagen, die die grossen Skigebiete satt haben und nicht dauernd aufpassen wollen, dass sie von rücksichtslosen Pistenrowdies über den Haufen gefahren werden, es gibt sie, die Alternativen.
 
An der letzten Einwohnerratssitzung (der Thaynger Anzeiger berichtete darüber) fielen doch einige Grundsatzentscheide, was nicht nur den Gemeinderat freute, sondern für unsere Gemeinde doch Weichen in die richtige Richtung stellt. Ohne die Themen nochmals aufzuwärmen, möchte ich doch an dieser Stelle herausheben, dass der Einwohnerrat den Anträgen einstimmig gefolgt ist und somit für die geplanten Abstimmungen die Annahme empfiehlt. Einerseits geht es um die dringend nötige Schulraumerweiterung im Reckenschulhaus sowie in einer separaten Vorlage um die Teilrevision der Ortsverfassung. Nebst einigen seit der Fusion liegengebliebenen nötigen Änderungen in der Verfas­sung, welche man als „redaktionelle Änderungen“ bezeichnen könnte, geht es auch darum, dem An­trag der Schulbehörde zu folgen und die Möglichkeit zu schaffen, die seit Schuljahr 2003/2004 einge­setzte Schulleitung als Organ zu bezeichnen. Dies hat einen Grund, der nicht zuletzt auch einen Effi­zienz- und Qualitätsgewinn hervorbringt: Seit der Überweisung einer Motion von Alt-Kantonsrat Wer­ner Schöni und dem angepassten Schulgesetz seit Sommer 2017 können den Schulleitungen klar definierte Kompetenzen übertragen werden. Dies bedingt aber, rein rechtlich, die Verfassung einer Gemeinde entsprechend zu ergänzen. Und darum geht es schlussendlich, um die Schaffung der Mög­lichkeit, mittels Verfassung diese Kompetenzübertragung vorzunehmen und damit professionell und angemessen zu agieren. Dies mit dem positiven Effekt, der Schulbehörde eine gewisse Belastung zu nehmen und mehr Kapazitäten, beispielsweise zur Strategieentwicklung, zu schaffen. Man darf an dieser Stelle selbstbewusst und auch etwas stolz erwähnen, dass unsere Schule im Kanton und über die Kantonsgrenzen hinaus einen sehr guten Ruf geniesst. Und diesbezüglich sollten wir dieser tollen Institution entsprechend Sorge tragen und den weiteren Erfolg für die Zukunft ermöglichen.
 
Was gibt es sonst zu berichten…
Obwohl ich zwar in den Ferien weilte und zugegebenermassen etwas „den Stecker gezogen“ habe, sind trotzdem oder deswegen einige Nachrichten meinerseits aufgenommen worden. Ich weiss es nicht, wie es Ihnen momentan geht bei all dem Nachrichtenfluss, aber ich habe den Eindruck, dass ein paar grosse Player auf dieser Erde von wunderlichen Käuzen regiert werden. Immer mehr Konflikte und Auseinandersetzungen prägen die Schlagzeilen und ganze Bevölkerungsteile erleben Leid, das wir uns in unserem Palast Schweiz gar nicht vorstellen können. Das ist das Eine. Das Andere sind die momentanen Massenevents; die „gilets jaunes“, die ursprünglich wegen angedrohten Treibstoffpreis­erhöhungen in Frankreich zu Tausenden randalierten. Dann unsere Jugend, aufgeweckt von Greta Thunberg, die für ihre Zukunft bezüglich des Klimawandels demonstrieren und damit versuchen, ein Zeichen zu setzen.
Nun, dabei wäre es ganz einfach und gerade meine Generation müsste sich an der Nase nehmen und entsprechend vorbildlich handeln. Aber es fängt schon im Kleinen an und der Verzicht auf etwas ist immer am schwierigsten, gerade in unserer vom Konsum geprägten Gesellschaft. Entreissen Sie mal jemandem sein Iphone, Samsung Galaxy und wie die Geräte alle heissen und schauen Sie, was pas­siert. Man erhält den Eindruck, jemandem ein lebenswichtiges Organ zu entfernen. Vor ein paar Jah­ren hatte man bei einer Handy-Ladung genug Strom für fast eine Woche, heute steckt man’s täglich ein. Und was hats drin? Rare Rohstoffe, oder auch seltene Erden genannt, die schwierig in der Ge­winnung und in ihrer „Ernte“ zum Teil ökologisch höchst bedenklich sind. Politiker verbannen Diesel­autos aus ihren Städten wie beispielsweise in Hamburg; aber im Hafen fahren die von minderwertigem Schweröl angetriebenen Superschiffe in dutzenden frischfröhlich ein und aus.
Tja und jetzt kauft man sich, der Umwelt zuliebe, ein Elektroauto. Eigentlich löblich und zum Fahren machen sie Spass, sind leise und sauber…. Ökobilanz nach Herstellungsenergieverbrauch mit Batte­rie? Lasse ich an dieser Stelle offen, dies kann man in Studien im Internet und Fachzeitschriften nachlesen aber die Antwort kennen Sie bestimmt. Und von den Kobaltminen mit Tausenden von ar­beitenden Kindern im Kongo, um genau jene Batterien für diese Autos herzustellen, beginne ich schon gar nicht mehr; der Platz in dieser Ausgabe des Thaynger Anzeigers würde dafür nicht ausreichen. Man müsste folglich auch die ganze Energiegewinnung und den in unseren Ozeanen schwimmenden Plastik behandeln, das Fliegen, der konventionelle Benzinmotor und die Erdölgewinnung…..
Ich bin der festen Überzeugung, dass ein gehöriger Teil rein durch Mass halten und eben auch einen gewissen Verzicht und das Überdenken des „Lifestyles“ zu Veränderungen führen würde. Und ich gebe es selbst zu, obwohl ich das Gefühl habe, nicht allzustark über die Stränge zu schlagen, mein persönlicher Verzicht gestaltet sich in einigen Bereichen ebenfalls als sehr schwierig….Vielleicht ler­nen wir‘s noch….
 
Ich wünsche Ihnen allen eine gute und gesunde Zeit und eventuell sehen wir uns an einer der zahlrei­chen Veranstaltungen in nächster Zeit… die Fasnacht steht schliesslich auch wieder vor der Tür!
 
Herzlich,
Ihr Philippe Brühlmann
Gemeindepräsident
 
 


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