22.03.2016

Randnotizen März 2016 von Philippe Brühlmann

 
Liebe Einwohnerin, lieber Einwohner

Eine grosse Reise
Vielleicht haben Sie es bemerkt, dass sich Ihr Gemeindepräsident Ende Februar / anfangs März relativ wenig blicken liess. Dies hatte einen einfachen Grund. Nachdem er mit seinen Freunden über 5 Jahre lang gespart hat, unternahm er mit ihnen eine ganz spezielle Reise nach Kanada. Am 23. Februar ging es los mit einem ruhigen und angenehmen Flug über den Nordatlantik nach Vancouver, Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2010 und Hauptstadt der Provinz British Columbia. Weiter ging es mit einer kanadischen Propellermaschine nach Osten in die Stadt Kelowna und mit dem Auto nach Revelstoke, einem 7000-Einwohnerstädtchen in den Rocky Mountains. Bereits nach dem Abflug von der grössten Wirtschaftsmetropole fiel mir auf, wie die Besiedlung sofort ausdünnte. Kanada hat mit seinen fast 10 Millionen Quadratkilometern Fläche gerade mal 35 Millionen Einwohner, vier Fünftel davon in den Städten Toronto, Montreal, Vancouver und Ottawa.

In Revelstoke angekommen und sich vorbereitend auf die geplanten sportlichen Aktivitäten, fielen mir interessante historische Gegebenheiten auf. Die Ortschaft liegt am Columbia River und ist ein Knotenpunkt der Eisenbahn (Canadian Pacific Railways), welche schon in frühen Zeiten gebaut wurde. Die Linie, die den Westen Kanadas mit dem Osten verbindet, wurde 1885 fertiggestellt und wird ausschliesslich für den Güterverkehr benutzt. 50 Zugkompositionen, jede mindestens 2 Kilometer lang, mit 3 Lokomotiven und mit Leistungen von je über 6000 PS, schleichen mit doppelt so grossen Güterwagen, wie sie bei uns eingesetzt werden, täglich mit einer Geschwindigkeit von nicht mehr als 60 km/h am Ort vorbei. In der vorletzten Jahrhundertwende wurden sodann auch viele Schweizer Bergführer von der Eisenbahngesellschaft angeheuert, um die Passübergänge und Nationalparks für die neu gegründeten zahlreichen Gebirgsclubs zu erschliessen. So auch ein Karl Schlunegger aus Wengen, der u.a. 2 neue Routen zum Jungfraujoch als Erstbesteiger definiert hat. Allgemein ist interessant, dass dieses Bergführer-Knowhow aus der Schweiz die kanadische Bergführergesellschaft sowohl damals als auch heute noch prägt. Der Enkel von Karl Schlunegger, Peter, ebenfalls Schweizer Bergführer, war in Neuseeland tätig und führt nun ein touristisches Unternehmen und ist Teilhaber an einem Hotel in Revelstoke.

Nach einer ausgiebigen Besichtigung des Städtchens und einem sehr interessanten persönlichen Austausch bei einem Kaffee mit dem Bürgermeister Mark McKee war ich in der Lage, ein paar Vergleiche anzustellen. Einige erfreuliche, aber doch auch etwas nachdenklich machende Gedanken gingen mir durch den Kopf. Die meisten Einwohner leben in sogenannten Trailerhomes, einer Art überdimensionalem Wohnwagen in Häuschenform, mehrheitlich aus Kunststoffen gebaut mit zum Teil alten, rostenden grosshubräumigen Fahrzeugen in den kiesigen Einfahrten. Die Infrastruktur des Städtchens, ausser dem wirklich schmucken Zentrum, scheint auch angeschlagen - unebene, löchrige Strassen, unzählige sanierungsbedürftige Gebäude, verstopfte und defekte Abwasserfänge, unheimlich schräg hängende Stromleitungen auf Holzpfählen. Das Wasser ab Hahn ist trotz einer Gebirgswasserfassung am Fusse des Mount MacKenzie stark chlorhaltig. Man spürt, dass an diesem Ort offensichtlich das Geld fehlt trotz einer starken ansässigen Holzindustrie, starkem Tourismus und einem riesigen Staudamm, der den Columbia River auf 120 km Länge aufstaut.

Was mich aber sehr beindruckte, war die positive Ausstrahlung der Menschen an diesem Ort - fröhlich, offen, positiv und stolz auf den Ort, in dem sie leben. Nicht mit einer Spur der Oberflächlichkeit, wie man sie aus den Vereinigten Staaten her kennt. „Best place to live“, der beste Platz zum Leben, hörte ich unzählige Male von Einheimischen, mit denen ich gesprochen habe. „Schauen Sie sich diese Berge und die Landschaft an“, sagte der Bürgermeister zu mir. „Einen solchen Ort verlassen Sie nicht mehr, wenn Sie sich hier niedergelassen haben oder hier aufgewachsen sind.“ Es hat mich tief beeindruckt, wie zufrieden und aufgestellt die Menschen trotz den einfacheren Verhältnissen sind. Ohne übermässige Ansprüche, einfach zufrieden mit dem, was sie haben, an einem Ort mitten in der endlosen, schönen kanadischen Wildnis.
Zurück im Flugzeug nach Hause, irgendwo über der Südspitze von Grönland, hing ich im Rauschen der Klimaanlage und dem Summen der Triebwerke meinen Gedanken nach. Ich freute mich wieder auf die Heimkehr, auf meine Heimat, auf unser Dorf, den Reiat, die Menschen und Freunde. Ich fühlte mich bestätigt, dass wir stolz sein dürfen auf unsere Errungenschaften, die überaus gute Infrastruktur, unsere Angebote und die Art und Weise, wie wir zufrieden unserem Leben nachgehen können. Auch wenn’s mal harzt und chnorzt oder etwas ärgert, unter dem Strich dürfen auch wir sagen, „Thayngen, best place to live!“


Ein grauer Fleck auf der Schaffhauser Landkarte
Nun, liebe Leserin und lieber Leser, möchte ich noch kurz auf ein Thema eingehen, welches bei Herr und Frau Schweizer manchmal etwas heikel sein kann. Man spricht normalerweise nicht so gerne darüber. Dies gilt nicht für jede oder jeden, aber für viele. Man möchte es zwar gerne vom anderen wissen, gibt es aber von sich selber nicht unbedingt gerne preis.

Da war eine Landkarte mit den Gemeinden des Kantons Schaffhausen in der Zeitung bezüglich der Saläre der Gemeindepräsidenten. Wie zum Teil im Amazonas, wo grosse Gebiete noch nicht kartiert sind und als weisse Flecken erscheinen, hatte es auch auf dieser Karte graue Flecken von ein paar Präsidenten, die einfach ihr Salär nicht preisgegeben haben (oder wollten).

So war auch Thayngen ein grauer Fleck und das hat vielleicht den einen oder anderen etwas geärgert. Soweit so gut. Vor den Sportferien erhielt ich ein Mail von der Zeitung, die diese Löhne publik machen wollte. Aufgrund anderer Prioritäten passierte, was klassisch einfach passieren kann, es wurde vergessen. Nach den Sportferien, bevor ich meine Reise nach Kanada antrat, wurde zwar nochmals nachgefragt, aber ich hatte wirklich Wichtigeres zu tun, als mich damit zu befassen, zumal das Anstellungs- und Gehaltsreglement der Gemeinde Thayngen von jedem einsehbar ist (auch von der Presse). Dort ist das Gehalt Ihres Gemeindepräsidenten sowie der anderen Behörden im Anhang 5 angegeben. Mittlerweile haben sich die Saläre leicht nach oben verschoben, da seit der reglementarischen Festsetzung des Lohnes generelle Lohnerhöhungen stattgefunden haben. Die Zahl des Jahressalärs des Gemeindepräsidenten: 119‘587.- Schweizer Franken.


Zum Schluss
Das Pfahlbauerhaus wurde bewilligt. Die Rekursfrist läuft jedoch noch. „Philippes Traum“ sind wir einen Schritt näher gekommen, der Region Reiat etwas mehr Schub als touristisches Erlebnisgebiet zu verleihen.

Verpassen Sie nicht die Erzählzeit am Donnerstag, 7. April 2016, im Kulturzentrum Sternen um 19.30 Uhr. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Herzlichst
Ihr Philippe Brühlmann
Gemeindepräsident Thayngen

 
 


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